Engelhorn-Stiftung: Forschungspreis 2007 - Durchbruch für Wirkstoff-Suche
Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung zur Förderung der Biotechnologie und Gentechnik - Logo
(openPR) - Membran-Protein erstmals in natürlicher Faltung synthetisiert
• Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung fördert Biotechnologie und Gentechnik
• Verleihung des Forschungspreises 2007 an `Nachwuchs-Wissenschaftlerin´ im Rahmen des "Klosters-Wintersymposiums"
• Ausgezeichnete Forschungsarbeit bringt Wirkstoff-Suche entscheidend voran
Klosters, Schweiz, 16. Januar 2007.- Die Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung vergibt ihren Forschungspreis 2007 zur Förderung der Biotechnologie und Gentechnik für einen wissenschaftlichen Durchbruch der funktionellen Synthese und Integration von GPCR-Proteinen in ein Lipidmembran. Das neue Verfahren ermöglicht erstmals die natürlichen Funktionen eines solchen Membranproteins in vitro zu unter
Für diese Forschungsarbeit1) zeichnet die "Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung zur Förderung der Biotechnologie und Gentechnik" Dr. Eva-Kathrin Sinner (35), Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, mit ihrem Forschungspreises 2007 aus.
Der Forschungspreis ist mit zehntausend Euro dotiert und wird im Einklang mit den Zielen der Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung für herausragende Forschungsarbeiten von exzellenten Nachwuchswissenschaftlern vergeben.
Prof. Dr. Herwig Brunner, Vorstandssprecher der Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung, erklärt: "Dieses Verfahren erlaubt die Integration eines G-Protein-gekoppelten Rezeptor-Membranproteins (GPCR) in eine artifizielle, planare Membran aus dem statu nascendi. Hierbei erfolgt in vitro eine gerichtete Insertion des Proteins in die Lipiddoppelschicht." Weiter sagt Herwig Brunner: "Hervorzuheben ist hierbei, der Einsatz des hier verwendeten Membransystems ermöglicht die Analyse weiterer GPCRs und komplexer Membranproteine, die bisher nicht für eine detaillierte Untersuchung zugänglich waren." "Die 1971 geborene Preisträgerin Eva-Kathrin Sinner ist ein herausragendes Beispiel für eine ausgezeichnete Wissenschaftlerin und Ansporn für die heranwachsende Forscherkollegen-Generation", sagt Prof. Brunner.
In-vitro-Synthese von G-Proteinen in eine Lipidmembran
Die Charakterisierung von Membranproteinen unter Erhaltung ihrer natürlichen und biophysikalischen Funktion stellt hohe Anforderungen an die biophysikalischen Messmethoden. Während lösliche Proteine sich meist leicht bestimmen und in größeren Mengen herstellen lassen, verlieren Membran-Proteine ohne ihre hydrophobe Umgebung schnell ihre native Faltung und damit ihre Funktion.
Das Membranprotein ist der "Türsteher" oder "Gatekeeper" der Zelle. Es steuert, welche Proteine oder Stoffe in die Zelle eindringen oder sie verlassen dürfen. Eine weitere Funktion ist die eines "Wächters": Dockt ein Protein, beispielsweise ein körpereigener Antikörper, an den freien Enden des Membranproteins außerhalb der Zelle an, löst dies eine Signalkaskade aus. Dies ist der Auslöser eines breiten Spektrums physiologischer Prozesse in der Zelle. Insbesondere die Gruppe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren (GPCRs) zählen zu den Haupt-Targets der Wirkstoff-Forschung.
Die schwierigste Aufgabe bei der Untersuchung von GPCRs ist die Isolierung in ihrer natürlichen Form, ohne ihre Eigenschaften zu verändern. In wässriger Lösung würden sie sofort verklumpen. Das beeinträchtigt die Erkennung der Liganden erheblich.
Eva-Kathrin Sinner gelang am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, eine Strategie zu entwickeln, die die Struktur und Charakterisierung eines der wichtigsten Vertreter der Klasse der GPCRs ermöglicht. Sie zeigte dies am Beispiel des Geruchsrezeptors OR5 der Ratte (Rattus norvegicus). Dessen Isolierung und Untersuchung in funktionaler Proteinkonformation war bisher nicht möglich gewesen.
Sinner brachte unter Verwendung von cDNA als Ausgangsmaterial in vitro synthetisierten GPCR mit einer künstlichen Lipidmembran zusammen. Die zweischichtige Lipidschicht war auf einem Gold-Sensor aufgebracht. Die synthetische Lipidmembran ahmte die Eigenschaften einer natürlichen Lipidmembran nach. Tatsächlich fand eine gerichtete Insertion des Geruchsrezeptorproteins in die peptid-fixierte Lipidmembran statt. Dadurch lassen sich schwierige Reinigungs- oder Isolierungsprozesse vermeiden.
Preisverleihung in Klosters
Am 16. Januar 2007 findet die offizielle Preisverleihung des Forschungspreises der Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung im Rahmen des renommierten, vom Nobelpreisträger Prof. Dr. Manfred Eigen ins Leben gerufenen "Klosters-Wintersymposiums" in Klosters, Schweiz, statt.
Im Anschluss an die Preisverleihung wird die Nachwuchswissenschaftlerin mit einem Referat über ihre Arbeiten vor einem illustren wissenschaftlichen Gremium, in dem mehrere Nobelpreisträger vertreten sein werden, darstellen.
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Über den Forschungspreis:
Die Peter und Traudl Engelhorn Stiftung fördert Forschungsvorhaben in der Form von Stipendien für besonders ausgewiesene Nachwuchswissenschaftler/innen. Dies geschieht vorzugsweise in der Gewährung von zweijährigen Stipendien für Postdocs. Darüber hinaus wird alle zwei Jahre ein Forschungspreis ausgeschrieben.
Weitere Informationen für Bewerber unter www.engelhorn-stiftung.de.
Weitere Informationen für die Presse unter www.engelhorn-stiftung.de.
sowie:
1) Veröffentlicht unter dem Titel "Inkorporation von in vitro synthetisierten G-Protein-gekoppelten Rezeptoren in ein peptidfixiertes artifizielles Membransystem" in Angewandte Chemie, 4 June 2006, Wiley-VCH, DOI: 10.1002/ange.200602231, Abstract unter www3.interscience.wiley.com/cgi-bin/abstract/113508983/ABSTRACT
2) www.roche.de/diagnostics/information.htm
Bildmaterial: Anfrage an www.mpip-mainz.mpg.de/~sinner/ sowie bei der Stiftung.
Ansprechpartner Stiftung:
Prof. Dr. Herwig Brunner
Stiftungsvorstand Peter und Traudl Engelhorn-Stiftung
c/o Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik
Nobelstraße 12
70569 Stuttgart
Tel.: 0711/970 4000
Fax.: 0711/970 4006
e-mail: info (at) engelhorn-stiftung.de
web: www.engelhorn-stiftung.de
sowie www.ptes.de
Presseanfragen:
B´IMPRESS
Carolin Demler
Kurzes Geländ 14
86156 Augsburg
Tel.: +49 821 5898-588
Fax: +49 821 5996-246
e-mail: ptes (at) bimpress.de
web: www.bimpress.com
Über die Stiftung:
Die Peter und Traudl Engelhorn Stiftung hat sich die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Biotechnologie und Gentechnik (Lebenswissenschaften) zum Ziel gesetzt. Sie ist eine Stiftung bayerischen Rechts.
Gegründet wurde sie in Erinnerung an Peter Engelhorn. Er war Gesellschafter des vormaligen Pharma-Unternehmens Boehringer Mannheim. Im Jahr 1998 wurde Boehringer Mannheim von Roche übernommen, das damit zur weltweiten Nummer 1 im Diagnostika-Geschäft aufstieg2).
Dem Stiftungsrat der Peter und Traudl Engelhorn Stiftung gehören an:
Prof. Dr. Irenaeus Eibl-Eibesfeld, Vorsitz; Traudl Engelhorn-Vechiatto; Ariane Binder, Prof. Dr. Robert Huber, Prof. Dr. Dieter Oesterhelt, PA Bernd Huber, RA Hans-Christoph Beythan sowie die Vorstände Prof. Dr. Herwig Brunner, (Sprecher) und Hans Iser (Finanzvorstand).
Die Mitglieder der Stiftungspreis-Kommission sind:
Prof. Dr. Manfred Eigen, Göttingen; Dr. Ruthild Winkler-Oswatitsch, Göttingen; Prof. Dr. Dieter Oesterhelt, München; Prof. Dr. Robert Huber, München; Patentanwalt Bernd Huber, München; Prof. Dr. Eberhard Neumann, Bielefeld; Prof. Dr. Walter Neupert, München; Prof. Dr. Herwig Brunner, Stuttgart.
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