Tag des Wohnens zielt auf Einlösung des Menschenrechts auf Wohnen

Nachbarschaftshilfe auf der Baustelle macht Hausbau in Entwicklungsländern erschwinglich. (openPR) - Köln – Wohnen ist ein Menschenrecht! So proklamierten es die Vereinten Nationen schon 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte. Seither gibt es viele Anstrengungen, der Wohnungsnot entschiedener zu begegnen. Die Zahlen zur Wohnungsmisere allerdings bleiben erschreckend: über eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten leben in menschenunwürdigen Behausungen, schätzungsweise 100 Million sind obdachlos. Dabei hat das Gut Wohnen in der ganzen Welt eine hohe Bedeutung. Wer keine Wohnung hat, wird von der Gesellschaft schnell ausgegrenzt. Das Wohnen steht in enger Beziehung zur Bildung, zur Arbeit, zur Gesundheit. Neben Hunger und Krankheit ist die Obdachlosigkeit ein deutlicher Hinweis auf die Armut von Menschen.

Jedes Jahr zum Internationalen Tag des Wohnens erinnert die DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V. mit Sitz in Köln an dieses Menschenrecht und setzt an diesem Tag ein Zeichen mit der Förderung eines neuen Projektes zur Überwindung der Wohnungsnot.

Der als offizieller UN-Gedenktag ausgerufene internationale Tag des Wohnens steht dieses Jahr unter dem Motto: Städte – Magnete der Hoffnung. Die Leiterin des Wohn- und Siedlungsprogramms der Vereinten Nationen, Anna Tibaijuka, fragt zu Recht: „Wenn alle Menschen in die Städte fliehen, wie die Motten ins Licht, ist dann nicht die Gefahr groß, dort zu verbrennen? Wo werden die Jobs sein, wo das Obdach, das Wasser, die Elektrizität und die Gesundheitsdienste für all diese Menschen?“ Landflucht und unkontrollierbares Wachstum der Städte sind die stärksten Trends der Bevölkerungsbewegungen, sie sind wohl unumkehrbar. In den Slums müssen Menschen mit minimalen und oft selbstorganisierten Dienstleistungen auskommen, ein ordnender Staat oder eine fürsorgliche Stadtverwaltung sind kaum präsent und werden es auch in Zukunft nicht sein. Die anstürmenden Zuwanderer hindert diese Perspektive nicht, denn die Entscheidung zur Landflucht lebt von der Hoffnung und nicht von der Realität der Lebenswelt in den Slums und Elendsvierteln.

Georg Potschka, Generalsekretär der DESWOS, warnt vor der trügerischen Hoffnung eines besseren Lebens in der Stadt: „Die Landbevölkerung in Nicaragua, Indien oder Kenia träumt davon, in den Hauptstädten Managua, Mumbai oder Nairobi ausreichend Brot und Arbeit zu finden. Dies ist aber leider nur für eine Minderheit der Fall. Der überwiegende Teil der Landflüchtigen versinkt noch weiter im Elend. Für sie bleibt nichts, als ein Leben in den rasant wachsenden Slums in der Peripherie der Großstädte. Deshalb liegt ein wichtiger Ansatz zur Reduzierung des Wohnungselends auch in den Lebensbedingungen auf dem Lande.“

Potschka erläutert weiter, dass die DESWOS die Ursachen der Landflucht bekämpft, indem sie mit ihren Projekten das Leben im ländlichen Raum attraktiver macht. Dabei sei das menschenwürdige Wohnen auch auf dem Lande ein wichtiger Faktor, dort aktiv zu werden und menschliche Energien so zu lenken, dass aus Hütten feste Häuser und Heimstätten würden. Es müssten aber weitere Perspektiven hinzukommen: Bildung und Ausbildung für Kinder und Jugendliche, neue Erwerbsquellen und Zusatzeinkommen für die Arbeiter ohne Land und Besitz, Gemeinschaftseinrichtungen für die Dörfer, Kulturbewahrung und eine eigene Identität als Landbewohner.

Zurzeit unterstützt die DESWOS mit ihren örtlichen Partnern in den Entwicklungsländern über 20 Hausbauprojekte in verschiedenen Stadien der Planung und Durchführung. Ein typisches Beispiel ist das Projekt für 50 Familien im Aleppey Distrikt im südindischen Bundesstaat Kerala. Die dortige Partnerorganisation Samhathi hat unter den von ihr betreuten Familien solche ausgewählt, die durch den Tsunami und persönliche Schicksalsschläge verarmt sind. Es geht darum, zu zeigen, dass Selbsthilfe für die Ärmsten machbar ist und gemeinschaftliche Kräfte eine Lösung für die Wohnungsnot entwickeln können.

Gemeinsam mit der indischen Hilfsorganisation hat die DESWOS mit der Projektarbeit für feste und sichere Häuser für die Familien begonnen. 50 Häuser mit Wohn- und Schlafraum, Küche, Toilette und Veranda sollen entstehen, sowie eine Zisterne für sauberes Trinkwasser. Dabei gilt das Prinzip der gegenseitigen Hilfe, es wird mit allen Familienmitgliedern, Verwandten, Nachbarn und Freunden gebaut. Zusätzlich erhält jede Familie einen Kleinkredit zum Aufbau eines Gewerbes, damit wird die Existenz ein Stückchen sicherer. Es sind meist die Frauen, die Samhathi überzeugen kann, sich mit unternehmerischer Initiative auf dem Markt umschauen und dann ein Gewerbe zu wählen: sie backen Brot und verkaufen Essen aus kleinen Garküchen, sie nähen Kinderkleidung und schneidern für ihre Nachbarn oder sie betreiben Gemüsegärten und Marktstände. Das schafft Einkommen und sichert die Versorgung ganzer Familien.

Mit dem Projekt im dicht besiedelten Kerala erhalten die Familien für ihr Leben im ländlichen Raum eine neue Perspektive und die Abwanderung in die größeren Orte und Städte wird verhindert. In der gewohnten Umgebung und mit Hilfe der von Samhathi geförderten Spar- und Kreditgruppen werden die guten Sozialbeziehungen zu einer wichtigen Ressource in der Armut: die gegenseitige Hilfe ist eine solidarische Kraft, die den Armen das Überleben ermöglicht. Die Familien zahlen den Wert des Baumaterials der Häuser in kleinen Raten in einen selbstverwalteten Fonds zurück. Mit diesen Rückzahlungen wollen sie weitere Häuser für andere Familien in Not finanzieren. Auch hier zählt das Solidarprinzip.

Die DESWOS ist eine Fachorganisation der Entwicklungszusammenarbeit der deutschen Wohnungswirtschaft. Ihre Hausbauprojekte in Afrika, Asien und Lateinamerika sind Modelle selbstorganisierten Bauens, die eine Alternative zur staatlichen Intervention sind, für die in den meisten Entwicklungsländern die Mittel fehlen. Ein Teil der Projekte wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bezuschusst. Die erforderlichen Spenden wirbt die DESWOS bei der deutschen Wohnungswirtschaft und in deren Umfeld ein, aber auch bei privaten Spenderinnen und Spendern. Der Tag des Wohnens ist ein Tag besonderer Anstrengungen, an dem es bisher wenig Fortschritt zu feiern, aber noch viel zu fördern gibt. In Deutschland hat die lange Tradition der Selbstorganisation und der Selbsthilfe insbesondere im genossenschaftlichen Wohnungsbau gezeigt: selbstorganisiertes Wohnen ist machbar, sicher und innovativ, und damit ein Weg, dass Wohnen als Menschenrecht Wirklichkeit wird. Auch für Menschen in Entwicklungsländern!

DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe
für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V.
Werner Wilkens
Innere Kanalstraße 69
50823 Köln

Tel.: 0221/579 89 60
Fax: 0221/579 89 99
werner.wilkens@deswos.de
www.deswos.de

DESWOS Deutsche Entwicklungshilfe für soziales Wohnungs- und Siedlungswesen e.V. ist eine Fachorganisation der deutschen Wohnungswirtschaft zur Förderung der Gemeinwesenentwicklung und des Wohn- und Siedlungsbaus in den Entwicklungsländern. Alle Projekte werden in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen in den Entwicklungsländern durchgeführt, die Beteiligung der Projektteilnehmer an Planung und Durchführung wird dabei vorausgesetzt. Die Finanzierung erfolgt durch Spenden aus der Wohnungswirtschaft und durch öffentliche Mittel. Weiter Informationen auf www.deswos.de oder telefonisch unter 0221 – 57 989 60.



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